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Kimberly Emerson DE

Ich bemerkte schnell, hier in Berlin herrschte ein enormer Output an Kreativität. Hier existierte eine große, sehr aktive Kulturwelt.

 “Let’s create a memory that is poetic.”

 Kimberly Emerson ist nicht der Typ, der ein Leben “an der Seite von” oder als “Frau von” wählen würde. Dafür war Emerson, Ehefrau des ehemaligen US-Botschafters John Emerson, Botschafter unter der Obama Regierung, sehr schnell bekannt. Kimberly Emerson galt in Rekordzeit als begehrter Dinner-Party-Gast. Wenn man Glück hatte, saß man bei langatmigen Veranstaltungen in ihrer Nähe und erlebte sie auf eine sehr Los-Angeles-artige, unterhaltsame Art, wie sie die Abende und Gespräche zu Großartigen machte. Emerson hatte eine Menge zu erzählen. Zum Beispiel aus ihrem Vorleben als Anwältin, als “Executive” in Hollywood, als “Director of Public Liaison” der U.S Information Agency (USIA) während der Clinton Administration. Am Tag von Donald Trumps Übernahme musste Berlin jedoch erst einmal auf Kimberly Emerson verzichten. Die von Barak Obama eingesetzten Emersons mussten die Stadt verlassen, zogen zurück nach Los Angeles, Kimberlys Heimat. Derzeit engagiert sich Emerson zwar sehr als Board Member der NGO “Human Rights Watch”, doch sie ist die inoffizielle, innigste “Botschafterin” von Berlin geblieben. Die Stadt, in der sie “einen Teil ihres Herzens” gelassen hat, wie sie sagt. Man kann das auch Liebe nennen. Emersons Neugier, ihr Interesse an Berlins Geschichte, ihre Wertschätzung der “diversity”, ihre Verbindung zu den Berliner Kreativen, Human Rights, Tech und Unternehmer Communities zeichnet sie aus. Emerson liebt beide Städte. Berlin und Los Angeles. Daher wird ihr zukünftiges Leben auch in beiden Städten stattfinden.

In Berlin haben die Emersons eine Residenz behalten, in Los Angeles richtet Kimberly Emerson gerade das neue Haus ein. Sie sichtet alte Möbel von früher, mistet die der letzten Jahre aus und schaut nach, welche Möbel am Ende in welcher Stadt landen. 

Ein Besuch bei einer coolen Frau, die in skinny Jeans und einem casual Berlin-Mitte Pullover die Tür öffnet und die über Tennis, den Teufelsberg in Kreuzberg, Demokraten und den Savignyplatz besser Bescheid weiß, als die größten Berlin-Experten. Emerson ist die Frau, mit der man sprechen sollte, wenn es darum geht, das Gefühl “Berlin” aus der Perspektive eines Angelenos zu verstehen. Und wenn man begreifen will, dass einer der größten Herausforderungen Berlins die Erinnerung ist. 

INTERVIEW: 

Ihr allererster Berlin-Moment, wie war der? 

Ich habe die Stadt sofort geliebt. Schon 2011 als ich zum ersten Mal hier war. Ich fand alles leicht und schön. Ich weiß, das muss komisch klingen mit all den Geschichtsballast der Stadt. Aber ich fand einen Ort mit vielen “Vistas” vor, wie man so sagt. Ich dachte mir sofort, es ist mein Job, meine Begeisterung mit all den anderen amerikanischen Besuchern zu teilen.

Und dann? Hielt die Liebe zu Berlin?  Sie waren fast vier Jahre da.

Ich bemerkte schnell, hier in Berlin herrschte ein enormer Output an Kreativität, hier existierte eine große, sehr aktive Kulturwelt: Ballett, Oper, Architektur, alles war vertreten, plus diese ganze zeitgenössische Geschichte. Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, an dem sich alt und neu so produktiv treffen.

 Wenn Sie Berlin in einem Elevator Pitch vorstellen müssten… 

Dann würde ich sagen: Anything goes in freedom. Das ist Berlin. Berlin ist eine Stadt der Momente. Da ist immer eine Plaza, oder “Platz”, der mir wegen seiner Besonderheit fast den Atem nimmt. Irgendwo ist immer ein Fest, ein Event, das nimmt kein Ende. Ich sehe eine Menge “rough edges” in der Stadt, eine Menge Kanten und Widersprüche. Etwas, dass ich persönlich sehr mag. Mehr als das Überschaubare und Glatte.  

Was genau ist das Gute an “rough edges”? 

Diese Kanten, diese “edges”, sie repräsentieren für mich Erinnerung à la Berlin. Diese unrenovierten Gebäude in der Stadt, die oft gespenstisch aussehen, erzählen mir viel von den letzten 50 Jahren. Die Stadt hat sie selbst “bearbeitet”, sie lässt diese “edges” und die Kanten, damit die Erinnerung an die Nazis, die DDR und die Preußen nicht verschwindet. Das ist eine Seite. Und dann ist da eben diese Freiheit der Stadt, die dafür sorgt, dass sich Künstler, junge Leute und Culturati sich Berlin leisten können. Das erinnert mich oft an das New York von 1970, wo es wenig Banker, Venture Capitalists und Hedge Fond Manager gab. Die Lebenshaltungskosten waren eben niedriger. 

Ein paar Hedgefond Manager könnten in Berlin nicht schaden. Für die Mischung. 

Sie sind schon da. Und Berlin lässt sie zu. Es ist eben ein Ort der Transformationen, gegen die sich Berlin nicht wehrt. Und diese Transformationen sind manchmal sehr ironisch, das gefällt mir. Berlin schafft sein Erinnerungsvermögen eben nicht ab. Da ist zum Beispiel diese Management Schule- ESMT- die sich jetzt in Erich Honeckers alten Büroräume befindet: An einem ehemals sozialistischen Ort befindet sich jetzt eine Schule für den neuen Kapitalismus. Oder nehmen Sie den Bunker von Christian Boros, in dem man die progressivsten Künstler der Welt sehen kann. Oder denken sie an dieses Glasquadrat auf dem Bebelplatz mit den leeren Bücherregalen, welches an die Bücherverbrennung der Nazis erinnert. Besucher haben zunächst keine Ahnung, was das ist. Aber dann stehen sie davor, schauen hinunter und sehen die weißen, leeren Bücherregale. Da ist schockierend. Ich finde diese Art, sich an Dinge zu erinnern genial. Und subtil. Sie erzählt von einem Berlin, das wir gar nicht in allen Details kennen. Und das hat eine Transformation der Stadt zur Folge. Diese Art der Transformation ist es, die mich sehr anzieht.

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Kimberly Emerson ist Anwältin und Vorsitzende, mit starken Wurzeln in Berlin und Los Angeles sowie Gastgeberin mehrerer offizieller Veranstaltungen pro Woche, um die Freundschaft, Partnerschaft und gegenseitige Unterstützung zwischen Deutschland und den USA zu fördern. Früher arbeitete sie in der Clinton-Administration als Direktorin der Public Liaison für die U.S. Information Agency (USIA). Aktuell engagiert Kimberly sich im internationalen Vorstand der Human Rights Watch und ist weiterhin bei HRW in Berlin aktiv. Emerson lebt mit ihrem Mann, John B. Emerson, dem ehemaligen US-Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland und ihren drei Kindern in Los Angeles.

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